In der nächsten Woche – der Woche vor dem Ewigkeitssonntag (Totensonntag) – werden noch mehr Menschen auf dem Weg zum Friedhof sein, als sonst. Vielleicht werden auch Sie in dieser Woche an dem Grab eines Menschen stehen, den Sie geliebt haben. Für mich wa-ren es seit meiner Kindheit immer wieder die Wege zu den beiden Gräbern meiner früh verstorbenen Brüder. Die Zeit am Grab wird für jeden ganz verschieden sein: Erinnerungen, gemeinsame Erlebnisse, Momente, in denen man ungestört die Trauer zulassen kann. Ein weiterer Schritt des Abschiednehmens.
Ich möchte Sie mitnehmen zu zwei Orten, die mich – beim Thema Tod – ganz besonders berühren. Es ist der Hügel Golgatha, auf dem Jesus gekreuzigt wurde, und das Grab, in dem er begraben wurde. Wer nach Jerusalem kommt, kann ein bisschen vom Hügel Golgatha in der Grabeskirche finden. Es ist für mich ein ganz besonderer Besuch. Warum? Das Kreuz, an dem Jesus dort auf dem Hügel gestorben ist, erinnert mich immer wieder an zwei Dinge: Es ist kein zufälliges Geschehen, das seinen Tod verursacht hat. Nein, es ist die Liebe zu den (schwer) beladenen Menschen, die ihn dahin geführt hat. Es ist eine Liebe, die selbst vor diesem furchtbaren Ende nicht zurückschreckte.
Gleichzeitig ist es der Ort, zu dem ich meine ganz persönlichen Lasten immer wieder bringen kann. Die Last von Dingen, bei denen ich an mir, an anderen Menschen und an Gott schuldig geworden bin. Und genau so kann ich die Last von Bindungen dort hinbringen, die durch die Schuld anderer Menschen in mir ausgelöst wurde („Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern“ – Vater Unser). Mit beidem werde ich alleine nicht fertig. Aber er, der Gekreuzigte, schafft das – durch seinen Tod am Kreuz.
Und dann gehe ich noch ein Stück weiter. Wohin? Zu seinem Grab. Eine kleine Grabhöhle, wie es damals üblich war. Eine Bank, auf die man den Leichnam legte, ein Rollstein, den man vor den Eingang rollte, damit keine Tiere an den Leichnam gehen. Aber dieses Grab ist anders als alle anderen Gräber. Es ist anders als die Gräber der Menschen, die wir lieben. Was ist anders? Es ist leer! Er ist nicht mehr da! Er ist auferstanden! Und Jesus hat gesagt (Johannes 11,25), dass er zwar der Erste ist, der auferstanden ist, aber nicht der Einzige ist. Wer sich im Leben an Ihm festhalten will, den holt Er aus dem Grab und bringt ihn zum Leben.
Worauf warten wir noch?