Die Schönheit des Evangeliums

Ralf Richter

Natürlich wäre in diesem Jahr ein Ausflug auf die Wartburg angebracht. Immerhin hat Martin Luther vom 4. Mai 1521 bis März 1522 seine Zeit dort verbracht (also genau vor 500 Jahren), nachdem er vom spanischen König Karl V., der damals auch Deutschland regierte, für vogelfrei erklärt wurde. Die sagenumwobene fast 1000 Jahre alte Burg, der Richard Wagner mit seinem Tannhäuser auch musikalisch ein Denkmal setzte, ist allemal eine Reise wert.

Während Tannhäuser freilich keine Erlösung findet, entdeckt Luther auf der Wartburg die Schönheit des Evangeliums, fasst es in deutscher Sprache. Er liebte vor allem die Briefe des Paulus, insbesondere den an die Gemeinde in Rom, in dem von der Kraft des Evangeliums die Rede ist: „Ich schäme mich des Evangeliums nicht; denn es ist eine Kraft Gottes, die selig macht alle, die glauben, die Juden zuerst und ebenso die Griechen“, heißt es da (Römer 1,16).

Luther selbst hat das in Lieder gefasst. Eines, das man passend am 31.10. wieder einmal singen könnte, lautet: „Nun freut euch, lieben Christen g’mein“. Dort heißt es: „Dem Teufel ich gefangen lag, im Tod war ich verloren, mein Sünd mich quälte Nacht und Tag, darin ich war geboren. Ich fiel auch immer tiefer drein, es war kein Guts am Leben mein, die Sünd‘ hat mich besessen.“ – Immer noch nachdenkenswert.